Sonntag, 9. Dezember 2007

Glück

Was ist Glück – darüber gab es heute eine Sendung mit Safranski, Sloterdijk und der Monika Maron, die mit ihrem „Ach Glück“-Roman irgendwie auch in die Reihe jener geriet, die sich über diesen erstrebenswerten Zustand einigen wollten. Das Buch von Monika Maron handelt von einer Person, die nach obigem strebt, weil sie es in ihrem Umfeld nicht mehr findet. Und nun - so ist die Handlung – findet sie dieses Glück in einem kleinen Hund. Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Nun ausgerechnet ein Hund – das ist doch ziemlich platt. Allerdings habe ich die Monika Maron noch nie so richtig geduldig gelesen.

Ein bisschen Glück war ein Abend mit zwei weiteren Weibern am Freitag im „Miro“ in der Raumerstraße – eine wunderbare Kneipe. Wenn nur nicht an diesem Abend irgendein Büro seine Weihnachtsfeier dort veranstaltet hätte mit einem Mitarbeiter, dessen Stimme von der Art war, mit der man Blech schneiden kann, wäre er noch glücklicher gewesen. Wir haben diskutiert über den Film „Liebesleben“ nach dem Buch von Zheruya Shalev – ich kriege keinen Draht dazu, die beiden anderen Frauen aber schon. Mag eine Sache des Temperaments sein- mir sind in letzter Zeit zu extreme Geschichten einfach nicht so richtig wichtig. Aber das war trotzdem eine gute Unterhaltung.

Samstag, 8. Dezember 2007

Folter

Der Philosoph Slavoj Zisek, Direktor des Birkbeck Institute for the Humanities in London, hat vor einer „Normalisierung“ der Folter in Diskurs und Praxis gewarnt. Er hat dafür eine ziemlich lange Abhandlung geschrieben und sicherlich das Problem von allen Seiten beleuchtet. So stellt er fest: „Beispielsweise gilt als klares Zeichen von Fortschritt in der westlichen Gesellschaft, dass gegen Vergewaltigung nicht argumentiert werden muss: "Dogmatisch" ist jedem klar, dass Vergewaltigung "falsch" ist. Setzte sich jemand für die Legitimität von Vergewaltigungen ein, würde er so lächerlich wirken, dass er sich von jeder weiteren Beachtung disqualifizierte. Und dasselbe sollte auch für Folter gelten“.

Fernab von allen prinzipiellen Erwägungen ist die Tatsache, dass Geständnisse durch Folter erpresst wurden und es ein rechtsfernes Internierungslager auf einem USA-Stützpunkt in Kuba gibt, schon erschreckend in die Altags-, und Trivialkommunikation eingedrungen.
In einem Trailer für eine ARD Familienserie bejammert eine gestresste Hausfrau das Chaos’ in ihrem Haus und die Rüpeleien einiger Familienangehöriger mit den Worten: Das ist ja hier wie in Guantanamo. Ich dachte, ich habe mich verhört.
Eines Tages wird es so sein, dass Unterdrückung in diesem Lande mit dem Einverständnis der Mehrheit vollzogen wird und das ist ja schließlich Demokratie. Allerdings keine repräsentative Demokratie, sondern eine repressive.

Freitag, 31. August 2007

Der Geist von Potsdam

Ein hervorragender Beitrag über den neuen „Geist von Potsdam“ im heutigen „Freitag“ .

http://www.freitag.de/2007/35/07350301.php


Was ist noch Ironie und was der reine menschenverachtende Zynismus?
Ist es eine „Neiddebatte“ oder berechtigte Empörung, wenn man es zum Kotzen findet, dass Wolfgang Joop am liebsten al-Quaida anrufen möchte, angesichts der Potsdamer Neubauviertel, in denen sich die längst aus der Innenstadt vertriebenen Verlierer der Wende, die Arbeitslosen und die Geringverdiener sammeln?
Der Freitag-Autor schreibt über das Bemühen der neuen Reichen, den ehemaligen Mauerweg am Griebnitzsee, der nach der Wende für alle zugänglich war, jetzt wieder zu schließen, weil sie sich durch das „Volk“ belästigt fühlen. Noch hielte die Stadtverwaltung stand. ... berichtet er, aber „Inzwischen säumen den Uferweg punktuell Wehranlagen aus Beton und Drahtverhau, welche die Architekten der einstigen Grenzanlagen vor Neid erblassen lassen könnten. Das Ganze ist ein unbezahlbares Symbol für Ostdeutschland schlechthin. Die große Mauer ist gefallen, die vielen kleinen erheben sich.“

Eigenartig, vor geraumer Zeit schon habe ich auch mal so eine Anmerkung geschrieben über unseren ehemaligen großen Innenhof in der Schivelbeiner Straße.
Der hieß „Grenzen“ und ich kam zu einer ähnlichen Zeitdiagnose.

„Vor der Wende wohnte ich in einem Seitenflügel mit Blick auf einen der Hinterhöfe, die durch halboffene Ziermauern und andere teilende Bauelemente von einem weiteren großen und begrünten Innenhof abgegrenzt waren. In Berlin, wo es ohnehin die dunkelsten Hinterhöfe gibt, die man sich denken kann, war dieser durch Entkernung entstandene weite Raum ein Gewinn. Um zu meinem Seitenflügel zu gelangen, musste ich zwei Türen auf- und wieder zuschließen. Aber das Nachbarhaus war nicht so korrekt gesichert und deshalb gingen wir meist dort durch, denn die Türen führten zum gleichen Innenhof. Sie gehörten zur kommunalen Wohnungsverwaltung. Wir hatten einen privaten Besitzer und der wollte sein Anwesen sichern. Dass er uns dadurch im Quergebäude ohne Klingelanlage einschloss, war ihm egal und wir nahmen es hin.

Sehr bald nach der Öffnung der Grenzen bekam der bisher freie Zugang zum Innenhof ein Tor und ist seitdem Tag und Nacht fest verschlossen. Den Bewohnern ist das viel lieber sagen sie. Den neuen Eigentümern sowieso. Der Durchgang sei vor allem bei den vietnamesischen Zigarettenhändlern beliebt gewesen, die dort ihre Waren gebunkert hatten, meinten die Leute. Die damals überall auftauchenden Teppichhändler hätten auch viel zu leicht in die Häuser gekonnt. Einer von ihnen hatte eine Frau vergewaltigt, aus Wut, weil sie ihm keinen Teppich abgenommen hatte.

Die angrenzenden Häuser halten ihre Türen jetzt ebenfalls alle verschlossen und sind mit ordentlichen Klingelanlagen versehen. So ohne weiteres kommt man nicht mehr rein. Kürzlich wollte ich mal wieder durch diesen Innenhof gehen, an dem ich so viele Jahre gewohnt hatte. Ich drückte auf irgendeinen Klingelknopf und als ich gefragt wurde, wer da sei, brummelte ich undeutlich: „Prospekte“. Man muss jetzt schwindeln, sonst wird man nicht akzeptiert“.

Donnerstag, 9. August 2007

Verschleiß

Also es ist so. Ich bin kein depressiver Mensch, höchstens mal ein bisschen traurig und dann ist auch meist ein Anlass dafür vorhanden. .
Und diesmal ist der Anlass für die Verstimmung ein ganz alltäglicher und hier schon ziemlich breitgewalzter.
Er hat mit der Tatsache zu tun, dass man altert und verschleißt. Und davon rührten ganz offensichtlich auch die Missempfindungen und die Krankheits- und Schwindelgefühle der letzten Zeit.
Weil ich mich schlecht behandelt fühlte, war ich kürzlich noch bei der Vertretung meiner bisherigen Hausärztinm dieser faktengläubigen internistischen Fachidiotin. Und der Vertreter - ein lieber Mensch mit warmen und trockenen Händen wie sie mein Mann auch hat - drehte mal ein bisschen an meiner Halswirbelsäule, mal nach rechts bis kurz vom Anschlag und mal links – da war der Anschlag etwas großzügiger, dann hat er mich sofort zum Röntgen überwiesen.

Und heute komme ich von der Röntgenpraxis. Na, was soll ich sagen - da stehen sie alle im Befund, die Fachtermini über die Beanspruchung und Abnützung der Apparatur, die einen zum aufrechten Gang befähigt oder zumindest dafür, dass man den Kopf schmerzfrei oben behält und auch drehen kann.
Es treten da auf: Ein Cervicocephalsyndrom mit Myogelosen (das sind Muskelverhärtungen, auf die bin ich besonders stolz) , bei Bewegungseinschränkung und einem veritablen Vertigo (Da denke ich immer an Hitchcock).

Im Detail können wir eine abgeflachte Lordose der HWS vorweisen, Auch eine Osteochondrose und Spondylose def. sind zu konstatieren, zum Teil auch mit dorsalen Anbauten (das klingt nach schöpferischem Heinwerkerwesen)
Wir verfügen großzügig über eine Unkovertebralarthrose in bestimmten Bereichen, Auch eine Intervertebralarthrose steht uns hilfreich bei der weiteren Bewegungseinschränkung zur Verfügung. Es gibt auch noch eine partiell deutliche Einengung der Foramina intervertebralia. Weiterhin nennen wir eine segmentale Gefügestörung unser eigen.
Die Schlußapotheose bildet eine Osteoporose in allen dargestellten Knochen.

Weil wir gerade beim Verschleiß sind. Kürzlich war ich bei der Augenärztin, weil ich ausschließen wollte, dass der Schwindel vielleicht daher kommt. Auch bei dieser medizinischen Fachkraft – nichts als der übliche Verschleiß. "Sie wissen, dass bei Ihnen beidseitig der grauen Star anfängt?" fragte sie mich, die Antwort schon ahnend. Ich wusste es nämlich nicht. Ich hatte nur in letzter Zeit immer das Gefühl, dass ich mir links andauernd die Brille putzen muss. Eine schöne Linsentrübung bereitet sich zum progressiven Wirken vor. Und die Durchblutung ist auch nicht gut in den Augen. "Davon kommen die schwarzen Lichtspratzer, über die Sie eben Klage führten", sprach die Ärztin.

Was sagt Ihr nun? Neidisch wa. Ich bin ein alter Knochen, das ist meine ganze Krankheit. .Und seitdem ich das – natürlich schon geahnt habend – weiß, geht’s mir wieder besser. Unheilbar zu altern ist was anderes als unheilbar krank zu sein. Ich ging nach Hause und ließ mich trösten.

Das Leben spielt seltsam: Vor einigen Wochen fragte eine Lektorin an, ob ich einen kleinen Text hätte. Sie plant eine Anthologie in der das Thema „Frauen und Alter“ abgehandelt werden soll. Und es soll ironisch-heiter sein.
Na, herrlich.

Sonntag, 22. Juli 2007

Gift und Galle Griefahn

Die Politikerin Monika Griefahn hat sich dafür eingesetzt dass pornografische, gewaltverherrlichende und rassistische Rappertexte zwar nicht verboten, aber doch nicht am Tage für Jugendliche und Kinder zugänglich gesendet werden sollten.
Die Rapperszene rächte sich mit griefahnfeindlichen Texten. Das alles kann man im Internet nachlesen, wenn es – dank der marktwirksamen Medien – nicht schon bekannt ist.

Mir war das alles ziemlich wurscht. Aber als ich in der taz einen Meinungsbeitrag der SPD-Medienpolitikerin nachlas, sah ich mich auch zu einer gewissen Griefahnfeindlichkeit gedrängt. Sie plädiert für einen mündigen Umgang mit diesen Texten und das übliche bla, bla...

Einverstanden, bitteschön. Aber dann sondert sie noch so herrliche Statements wie das folgende ab: „Wissenschaftliche Untersuchungen wie die von Olaf Kessler bestätigen ..., "dass Kinder und Jugendliche, die nicht in einem sicheren sozialen Umfeld und in einer intakten Familie aufwachsen, ein viel höheres Aggressionspotenzial haben, wenn sie 15-mal am Tag Textzeilen wie "Ich fick dich in die Urinblase" hören. Solche Inhalte gehören eindeutig nicht ins Tagesprogramm von Radio- und Fernsehsendern.“.

Was will uns M.Griefahn damit sagen?
Ich schlußfolgere: Wenn solche Fortbildungsveranstaltungen nur noch am Abend und in der Nacht stattfinden, dann steht die Frage: Wie kriegt man mittelständische Weicheier auf die Höhe der für diese Zeiten notwendigen Härte?
Mit welcher Sorte Text bringt man die sozial-umfeldmässig gesicherten und intaktfamiliären nichtghettoisierten Kids in geordneten Verhältnissen zu dem für diese harten Zeiten erforderlichen Aggressionspotenzial?
Die sind ja schwer benachteiligt. Und kaum hocken sie sich vor den Fernseher und sehen zum Ausgleich des Diskriminierungsfaktors ein paar Aggroberlin Raps mit Schwulenhatz und all so schönen Sachen oder denken darüber nach, was eine Urinblase von einer Sprechblase unterscheidet, da kommen Muttis wie Monika Griefahn und erklären ihnen liebevoll, dass sie erst lernen müssen, damit umzugehen (Wir müssen reden!!!) Sie müssen begreifen lernen, dass sie ohne einen medienkompetenten-intellektuellen Kontext, der nicht alles so eins zu eins nimmt, diese Raps am Ende ernstnehmen und einen Schaden fürs Leben kriegen. Bis sie soweit sind, dürfen die das nicht sehen –ist das nicht furchtbar? In dieser Zeit haben die nichtintakten Prolls und Uschis (Unterschichten) einen solchen Vorsprung, dass sie die Urinblase verlassen und die Welt ficken. Und die intakten Kids singen vor sich hin:
Ich lieb* die Mutti vehement,
sie ist so medienkompetent.

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