Dienstag, 3. Februar 2009

Kurt Demmler

Lied für Maria

Dieses Lied sing' ich den Frauen
die allein sind in den Nächten,
ihr Alleinsein nicht verdauen
und so gern bei ihm sein möchten.

Dieses Lied sing' ich Maria,
die schon auf der Penne
eines ausprobierte und dann abging,
denn sie kriegte etwas Kleines.

Und der Vater von Maria,
und der des begonnenen Kindes,
wollten nichts mehr von ihr wissen.
"Geh Maria und verwind es."

Und Maria schluckte heftig,
und es lag ihr schwer im Magen,
und ihr Kindchen lag daneben,
und sie wollt's nicht nur ertragen

Der Kurt Demmler Song. Die meisten Frauen in der ehemaligen DDR kannten ihn - er geht ja auch noch ellenlang weiter.

Es endet:
Heute nacht sah ich Maria
eine Frau von Mitte dreißig
stehn in einer Telefonzelle
Tränen sah ich und nun weiß ich

Dass emanzipierte Frauen
die uns ach so stark erscheinen
noch Jahrzehntelang und länger
nachts um ihre Schwächen meinen

Ein Frauenversteher würde man heute sagen. Und doch und doch...

Kurt Demmler
Meine Freundin hat mir schon vor einiger Zeit erzählt, dass er eine Popband gründen wollte und die Mädchen hinterher klagten, dass er sie belästigt hat. In welchen Ausmaßen wusste ich nicht.
Seit August war er in U-Haft.

Jetzt hat er sich erhängt in seiner Zelle.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Thronfolgen

Ein Vertreter Saudiarabiens wurde von Vertreter der USA-Administration belehrt, dass in seinem Land ja keine Freiheit herrsche.
Die Macht ginge ja direkt vom Vater an den Sohn. Das ist doch bei Euch genau so - in den USA ist der Sohn Bush auch auf das Amt seines Vaters gefolgt.

Ein fremder Vogel

Bunter Vogel

Beim Entenfüttern im Schlosspark – kein hässliches junges Entlein, sondern dieses bunte fremde Tier. Leicht hatte der es nicht, weil er so aus dem Rahmen fiel.
Die anderen mobbten ihn ein bisschen – vertrieben ihn, aber er kam immer wieder. Irgendwann haben sie sich wohl an ihn gewöhnt. Und nun saß er zwischen ihnen,

Enten im Park

Wer borgt dem Staat was

Ich frage mich angesichts der Debatten um die Staatsverschuldung, woher der Staat eigentlich sein Geld borgt. Die anderen Staaten sind doch auch alle pleite – die Banken auch. Woher also. Geht so was auch mit einem Banküberfall? Der normale Mensch verbleibt uninformiert.

Zur Wirtschaft habe ich auch noch einen sehr schönen Spruch gefunden.

Die Tageszeitung taz konstatierte im November 2004: "Die die Nachfrage stabilisierende Funktion der sozialen Sicherungssysteme hat sich für multinational operierende Großunternehmen relativiert".
Damit sollte wohl erklärt werden, warum die Wirtschaft so rigoros Hartz IV mit durchgesetzt hat.

Montag, 12. Januar 2009

Kinderheime

Heute hat die Bundesfamilienministerin die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für Kinder die in kirchlichen und staatlichen Heimen misshandelt wurden, abgelehnt.

Mir kamen so allerlei Erinnerungen. Ich war in den fünfziger Jahren zweimal in einem katholischen Kinderheim in der damaligen DDR, in Leipzig, untergebracht. Grund war eine schwere Erkrankung meiner Mutter.
Auch mein Bruder war für eine Weile mit mir zusammen in diesem Heim und später in einem anderen, ebenfalls kirchlichen Heim untergebracht. Er hatte auch ziemliche Verhaltensstörungen hatte.
Er verbrachte dort ungefähr ein Jahr. Als wir ihn besuchten, war er ausgeglichener und ruhiger und zugänglicher als er je zu Hause war. Er kam dann trotzdem wieder nach Hause, wäre aber lieber dort geblieben.

Zurück zu meinen eigenen Heim-Erinnerungen: Es ging mir in Leipzig-Engelsdorf im wesentlichen gut, wenn man von den ganz normalen Kinderkümmernissen, dem Heimweh und Streiterein untereinander absieht. Es wurde auch Rücksicht genommen auf kindliche Einwände und Abneigungen. Ich zum Beispiel mochte keine Ziegenmilch und bekam immer nur Kuhmilch. Man musste auch seinen Teller nicht leer essen und ähnliche Sitten.
Wir wurden sicherlich zu allgemeinem Gehorsam und Einhaltung von Regen angehalten, aber es gab außer Ermahnungen keine gravierenden Strafen.

Wenn ich heute so höre, wie in westlichen-kirchlichen Heimen mit Kindern umgegangen worden sein soll, dann wüsste ich doch gern, wieso die Verhältnisse in kirchlichen Heimen Ostdeutschlands offensichtlich so ganz anders waren als in Westdeutschland jener Zeit.
Ich kann nur annehmen, dass es dort ein anderes Erziehungskonzept gegeben haben muss und wüsste gern warum.

Ein Grund kann sein, dass die Kirchen von staatlichen Stellen scharf beobachtet wurden und es gab auch wenige kirchliche Kinderheime in der DDR.
Aber auch bei den staatlichen Heimen gab es offensichtlich nicht solche brutalen Verhältnisse.
Denn staatliche Heime sind nicht zu verwechseln mit den Jugendwerkhöfen in der DDR, die zum Strafvollzug gehörten und die – wie ich vermute – immer als Prototypen für die allgemeinen Zustände in DDR-Kinderheimen betrachtet werden.

Andererseits erinnern die Verhältnisse, von denen ehemalige Heimkinder-West berichten eher an die Jugendwerkhöfe. Erschreckt hat mich auch die Zahl der Heiminsassen im Westen. Zwischen 500.000 und 1 Million rechnen sie.
Schon seltsam, dass es so merkwürdig seitenverkehrte Verhältnisse gibt.

Es war nicht die beste Zeit meines Lebens dort Ich erinnere mich noch, wie ich im dritten Stock auf der Bodentreppe saß und auf die Straße blickte, weil ich hoffte, dass meine Mutter kommt. Aber sie kam lange gar nicht, weil sie noch im Krankenhaus war. Später dann besuchte sie mich oft. Ich war oft traurig, aber eine Kindertraurigkeit ist eben kein Trauma.

Samstag, 10. Januar 2009

Netzbekanntschaften

Zuerst ein Blick aus meinem Fenster auf die schöne Schneelandschaft
Winterlicher Ausblick


Obwohl ich es gar nicht anstrebe oder forciere, mache ich im Netz immer mal wieder hochinteressante Bekanntschaften.

Erst kürzlich in einem Literaturforum. Ich bin darauf gestoßen, weil ich im Meer der euphorischen Rezensionen, die Uwe Tellkamps Buch „Der Turm“. zuteil wurden nach einer kritischen Stimme gesucht habe. Und – siehe da – ich wurde fündig. Ich fand einen, der – wie ich – ziemlich energisch die Meinung vertrat, dass das Buch überschätzt wird und auch warum er das meint. Nicht immer ganz gelassen und sachlich, manchmal auch unter Beschimpfung des Autors selbst, den er wohl irgendwie kennt. Und – wie das so ist – sofort wandte sich die dort vor sich hin schaukelnde Schöngeisterbahn dem unangenehm auffallenden Störenfried zu. Das sei wohl mal wieder ein Troll, mutmaßten die gebildeten Literaturfreunde.

War aber keiner, nur ein etwas unbeherrschter Zeitgenosse, der sich nicht lange um die Regeln der Diplomatie kümmert. Ich hing mein posting mit dran und erlebte ein sehr freundliches, zutunliches Echo. Ich war an einen Herrn aus Dresden geraten. Er schreibe selbst, teilte er mir auf eine Privatmail mit. Naja, dachte ich noch so bei mir, wer weiß, wer weiß. Dass er literarische Kompetenz besitzt, war mir schon deutlich. Er hätte lieber telefonisch mit mir weiterverhandelt, erklärte er mir noch, aber ich wollte das nicht. Er nannte mir seinen Namen und ich googelte herum. Es ist ein Autor mit wirklich beachtlicher Produktion. Ich habe mir gleich ein Buch von ich besorgt. „Am Ende war alles Musik“, zwei Musiknovellen über Clara Wieck und Johannes Brahms. Gut geschrieben, einfache klarer Stil, unprätentiös, aber gerade darum beeindruckend und überzeugend und von großem Gedankenreichtum. Einfühlsam hat er sich in seine Protagonisten versetzt.
Das tat ich ihm auch kund und dann gab es doch einen – von mir allerdings nicht so geschätzten – Telefonkontakt. Eine gemütliche sächsische Stimme.
So ist das manchmal, der Einzige, der selbst literarisch arbeitet, gilt als Banause im Forum der Literaturfreunde. Herrlich.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Riesenrad

>Riesenrad

Das ist das schöne große Riesenrad, mit dem ich mutig und tapfer auf dem Weihnachtsmarkt gefahren bin. Eigentlich "passt" das nicht mehr für mein Alter. Ich fand es aber so lustig, obwohl der Wind „da oben“ eiseskalt war. Außerdem kam mir – aus gegebener Situation – andauernd die Verszeile in den Sinn „Der Hut flog mir vom Kopfe“ und ich verschwesterte mich – so als befände ich mich bei einer wirklich gefährlichen Mission - mit der in der Gondel neben mir sitzenden jungen Frau.
Alles das hing damit zusammen, dass ich einen sitzen hatte von zwei Glühweinen. Auch eine Currywurst befand sich schon in mir. Umso erfreulicher, dass mir überhaupt nicht schlecht war. Es stellte sich das aus solchen Situationen schon Gewohnte ein: Ich fragte mich, während wir da oben durch die erleuchtete Finsternis schleuderten, welcher Deibel mich geritten hat, diese Fahrt zu machen. Und als wir unten war, wurde ich euphorisch und fühlte mich richtig gut.
So ist das alles.
Was bedeutet das fürs Neue Jahr? Nichts, als eine hübsche Erinnerung an das alte Jahr.

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