Dienstag, 16. Dezember 2008

Eine schöne Lesung

Eine schöne Lesung

Es ist schon einen Monat her, aber es war so klasse. Meine Lesung bei EWA. Es war zwar eine öffentliche Veranstaltung, aber ich habe auch privat dafür ordentlich Reklame gemacht. Und so waren wir eine ziemliche Runde.
Ich kann gut vortragen, habe Sinn fürs timing und sie haben Tränen gelacht. Rita, die bei EWA diese Veranstaltungen managt, hat, wird mich auch im nächsten Jahr wieder einplanen.

Rückkehr des Zorns

"Der Mensch ist nicht gut. Die Gesellschaft verfolgt und bedroht die Armen, (...) Kein Wunder, dass ich jedesmal, wenn ich die Politiker im Scheinwerferlicht weise Sprüche klopfen höre, Lust habe sie zu ohrfeigen. Ob sie vom Krieg reden, von den Steuern von der Geldentwertung oder den Arbeitslosen, sie lügen mit dem einzigen Ziel, ihr auf Diebstahl gegründetes System zu bewahren. Und für dieses schmutzige Geschäft verkleiden sie sich (...) sprechen mit milder Stimme, schwitzen aber vor Angst um ihren guten Platz. Unmöglich, ihnen auch nur ein Wort zu glauben".

Als ich das heute las, fiel mir ein, dass in einer angekündigten Kultursendung die Rückkehr eines lange vermissten Lebensgefühls gewürdigt werden sollte. Das des Zorns.

Wieso Rückkehr? Die Medien konstatieren immer nur Zustände, die sie selbst widerspiegeln. In diesen Tagen sind auch die Medien Grund und Gegenstand des Zorns. Sie wählen aus, sie entscheiden in Komplizenschaft mit denen, die sie für am Mächtigsten halten, was auf die öffentliche Agenda soll und was nicht. Und vor allem, wie etwas öffentlich behandelt wird.
Wenn sie ein Thema nicht aufgreifen, verschwindet es. Öffentlicher Zorn wurde in den letzten Jahren als albernes Stemmen gegen den Strom der Zeit, als unmodern und lächerlich abqualifiziert. Jetzt ist er also wieder da

Das Zitat von oben aber ist alt. Es stammt von Claire Goll, stammt aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg und spielt auch noch in Frankreich. Es ändert sich nicht viel in der Politik.

Sonntag, 16. November 2008

Entfremdung

Eine Bekannte hat – im Rahmen ihrer Arbeit – eine Umfrage unter Leuten gemacht, die aus beruflichen Gründen pendeln müssen. Sie hat mit einem Mann gesprochen, der im Tiefbau arbeitet, dort gutes Geld verdient, aber unendlich schuften muss. Er ist wohl auch so Mitte 30, hat aber schon massive Rückenprobleme und andere beruflich bedingte Ausfälle. Sie arbeiten meist 10 bis maximal 15 Stunden. Meist fahren sie Freitagmittag nach Hause – im Falle des Befragten ist es eine Fahrt von Berlin in die Niederlausitz. Sie wissen natürlich nicht, ob es auch dabei bleibt. Es kann sein, dass sie Freitag noch weiterarbeiten müssen Das kann man ihnen erst immer in der letzten Minute sagen. So ist es nun mal – Halte Dich zur Verfügung.

Die Ehefrau des Befragten arbeitet als Schweißerin. Sie steht morgens um vier Uhr auf, Sie weckt das Kind und macht es für den Kinderhort fertig. Dann arbeitet sie – meist auch länger als vorgesehen. Wenn sie nach Hause kommt, ist sie erst einmal fix und fertig. Sie behandelt die schmerzenden Knie und geht dann gegen 20 Uhr ins Bett. Sie hat für nichts anderes Zeit als für ihr Kind und die eigene Regeneration. Wenn sie zum Elternabend muss, ist das für sie schon eine Anstrengung.
Beide verdienen gut, aber niemand weiß, wie lange das geht und überhaupt. Und sie verdient wenig für diese schwer Arbeit. Es ist ein Glück, wenn man in diesem Lande Arbeit hat, aber der Preis ist oft hart.

Und nie, aber auch nie gibt es einen Beitrag im Fernsehen über Leute in ihrer Arbeit. Die Medien sind soweit weg von den wirklichen Problemen der Leute – eine Verblödungssendung löst die andere ab. Heute im presseclub waren die Vertreter des mainstreams wieder völlig „unter sich“. Wozu müssen die noch debattieren.
Sie waren – im Wesentlichen – einverstanden mit den Maßnahmen zur Stabilisierung, sie debattieren über Details des Rettungsplanes – am Ende kommt so ein Nebensatz: Für die Beschäftigten in manchen Branchen wird es eng. ich bin überhaupt gar nicht mehr „betroffen“ im engeren Sinne, aber ich finde, dass diese Gesellschaft so geteilt ist, so auseinander, dass es nicht gut sein kann. Leute sind massenhaft fremd in diesem Land. Sie müssen gar keine Migranten sein.

Samstag, 27. September 2008

Absichtsterroristen

Das ist schon putzig. Die Zeiten sind nicht gerade rosig, die Finanzkrise und die damit einhergehende Verunsicherung. Und siehe da – auf einmal finden sich Terroristen an, zumindest Absichtsterroristen.

Man kann auch sagen Ablenkungsterroristen.
Und in allen meinungsbildenden Beiträgen wird unterstrichen, dass die jetzige Krise der Investmentbanken keineswegs die Marktwirtschaft infrage stellt und die soziale schon gar nicht. Man fragt sich, warum sie dann so beflissen an ihr gesägt haben.

Dienstag, 23. September 2008

Ehrbarer Kapitalismus

Der Kapitalismus hat seine Ehrbarkeit verloren“, beklagt in der Süddeutschen Zeitung Gustav Seibt.
Und dann weint er – schriftlich – um die guten alten Zeiten, wo der Kapitalist noch selbst ausgebeutet hat und nicht ausbeuten ließ und weist mit dem Finger auf die Hauptschüler, die so teure Handys haben und auch gierig sind. Man glaubt es nicht. Allen Anfertigern der herrschenden Meinung geht der Arsch mit Grundeis.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/345/311268/text/
Ich habe auch ein bisschen gepostet
„Ein herrlicher Sermon – so als hätte der Kapitalismus nicht ständig Opfer gekostet – bis auf den heutigen Tag. Ehrbarkeit – wie herrlich.

Und wie er den Menschen die Leviten liest und über die Gier bei Arm und Reich lamentiert. Niemand entkommt dem Seibtschen Bannstrahl. Ehrlich, muss das sein?

Rettet den Kapitalismus oder besser noch – sonntagspredigermäßig – Betet für ihn. Amen!“

Sonntag, 21. September 2008

Uschi Obermaier "High Times" und Hot Times

Ich war skeptisch, weil es ja so ein Medienknaller war, aber dann habe ich mit Vergnügen Uschi Obermaiers Memoiren „High Times“ gelesen. Als Buch und Film erschienen – lief ja alles unter dem Motto: Krawallnudel oder so. Das kann ja sein, aber mir gefiel die unverstellte Sprache und die schonungslose Ehrlichkeit. Sowas bekommt irgendwann eine eigene Qualität. Das Buch beruht auf Interviews, die sie einem Journalisten Olaf Kraemer gegeben hat. Und da gab es einige Probleme wegen ihrer Direktheit, die ihr dann in geschriebener Form – wohl doch unheimlich geworden ist.
Buchrezensenten sagen, Kraemer hätte diesen bayrischen Vorstadtslang selbst erfunden und ihn dann Obermaier in den Mund gelegt. Ich glaube das aber nicht. Das Buch ist sicherlich sehr unausgeglichen im Stil, aber manchmal dachte ich mir: Wenn da jemand noch mal drüber gegangen wäre, dann könnte das durchaus ein kraftvolles Stück Literatur sein.

Sie nimmt ja wirklich kein Blatt vor den Mund und bleibt sich selbst treu. Als junges Mädchen erkennt sie bald, dass eine Tätigkeit als Retuscheurin – sie beginnt eine entsprechende Lehre - wohl nicht so richtig das ist, was sie vom Leben erwartet. Was sie will ist Musik und Männer. Leben genießen und kiffen und überhaupt. Männer sind leicht zu kriegen, die fliegen auf sie, sie ist ein schönes Mädchen. Zum Beispiel der allseits noch immer sehr bekannte Rainer Langhans. Die Kommunegeschichten kennt man ja alles aus den Medien. Andere haben ihr angekreidet, dass sie auf politische Zusammenhänge nicht eingeht. Sie war halt unpolitisch – sie macht daraus auch kein Hehl. Aus Liebe hat sie sich auf den – seinerseits ja auch nicht allzu politischen Langhans eingelassen.

Mit Musikern hat sie auch recht intensive Begegnungen. Herrliche Sätze tauchen auf wie: „Manchmal war es mit den Musikern allerdings auch total niederziehend. Besonders mit den Kinks“. Die waren wohl nicht gerade nett zu Groupies.. Mir gefällt, dass die Obermaier das auch das nichtt nicht ausspart, Momente, in denen sie sich billig vorkommt. Mit Keith Richards von den Stones hat sie eine episodenweise Liaison. Das Leben mit Langhans ist irgendwann langweilig, Politik und Selbstfindung sind nicht ihre Sache. Also hin zu diesem Dieter Bockhorn. Der ist einer der Macker auf dem Hamburger Kiez, sie führen ein wildes Leben – Rauschgift kommt dazu. Bockhorn muss auch mal in den Knast.

Immer mal wieder steht die Frage, ob ihr Lover sie nicht auch auf den Strich schickt, aber das lässt sie sich nicht bieten Überhaupt setzt sie den Männern sehr viel Eigensinn entgegen, ist zum Teil schonungslos und hart. Sie lässt sich eben von Männern die Butter nicht vom Brot nehmen, aber wenn sie liebt ist sie großzügig und unendlich geduldig. Ich weiß immer nicht, ob erstere oder die letztere Eigenschaft die Männer mehr ängstigen.

Bockhorn und sie fliehen irgendwann auch vor den zunehmenden Gewalttätigkeiten auf dem Kiez. Mit einem Riesen Wohnmobil - allein schon die Art, wie sie das Ding finanziert haben, ist herrlich - touren sie durch Asien. Furchtlos und neugierig auf das Leben. Das sind schon tolle Geschichten, die sie da zu erzählen hat.
Die zweite Tour geht in die USA, wo Bockhorn, der mehr und mehr zum Junkie wird, mit dem Motorrad verunglückt. Sie stellt sich dem Niedergang entgegen und schafft sich eine neue Existenz. Und sie muss mit dem Altern fertig werden. Wie sie das tut- alle Achtung. Schon bei der Schilderung ihrer Modelerfahrungen ist sie von gesundem Realismus und erkennt, wie austauschbar Schönheiten sind, wenn da nicht noch was ganz Eigenes Unverwechselbares dazu kommt. Sie hasst es, von Casting zu Casting zu hetzen - überhaupt hält sich ihr Ehrgeiz in Grenzen. Gefällt mir auch, diese Unverbissene.

Es gibt sehr viele schöne Frauen, die Obermaier imponiert damit, dass sie neben dieser Schönheit eine Persönlichkeit ist, mit großer Stärke, viel Eigensinn und einem eigentlich guten Herzen, das sie aber nur zeigt, wenn sie in Stimmung dafür ist.

Sie will jetzt in Ehren eine ältere Dame werden. Na, wird doch.

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Zuletzt aktualisiert: 12. Apr, 12:18

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