Freitag, 21. Juli 2006

Die Kinder von Golzow

Gestern noch auf RBB bis in die Nacht einen Teil von den „Kindern aus Golzow“ gesehen. Zugegeben – er moralisiert manchmal ein bisschen der Wilfried Junge, aber es bleibt doch ein unglaublich menschenfreundliches und dokumentarisch unerreichtes Unternehmen. Diesmal war der Onkel Willy aus Golzow dran, einer der viel tut, damit man ihn bemerkt, der gern irgendwohin ausbüchsen würde, es aber nicht wirklich wagt. Stattdessen hält er es mit den Frauen, betrügt seine eigene mit einer, die – abgesehen davon, dass sie weniger Gewicht hat – so ähnlich ist, wie die erste. Alle immer lebenspraktisch und patent, die ihm die Entscheidungen abnehmen. Er sieht aus wie ein italienischer Zigeuner und die Frauen wie seine Mutti. War oft so im Osten. Die Frauen trafen die Entscheidung, die Männer folgten gern und klagten in der Kneipe.

http://www.johannisthalsynchron.de/golzow.htm

Montag, 10. Juli 2006

Schlossallee



Nur fünf Minuten Fussweg und ich bin hier in dieser tröstlichen Allee, im Pankower Schlosspark.

Sonntag, 19. März 2006

Verfassungsfragen

Immer mal wieder fällt auf, dass Leute, die die Rechtsordnung in diesem Land schützen sollen, ihre eigenen Gesetze gar nicht kennen.

Das saarländische Landesamt für Verfassungsschutz hat Oskar Lafontaine auf dem Kieker. Das lese ich bei „Spiegel online“. Und zwar, weil er in einer Partei ist, die – so der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Albert, – langfristig das bestehende kapitalistische System überwinden und eine sozialistische Gesellschaftsordnung einführen will.

„Wieso argumentiert der mit dem kapitalistischen System“, dachte ich bei mir, „das Grundgesetz regelt die Wirtschaftsform ja überhaupt nicht“. Das habe ich vor vielen Jahren mal in einer hervorragenden Fortbildung beigebogen gekriegt.

Und tatsächlich: Die Bundesrepublik Deutschland ist in der Wahl der Wirtschaftsform frei und wird nur durch die Verfassungsprinzipien des Rechts- und Sozialstaats, der Grundrechte und der Demokratie gebunden. Es sieht sogar laut Artikel 15 GG unter Umständen eine Sozialisierung der Urgüter vor. So heißt es .
Wir haben damals lange diskutiert darüber, aber es ist so. Die Behauptung, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem nur unter demokratischen Bedingungen gedeiht, ist ebenfalls umfangreich widerlegbar. Südkorea war in Zeiten, da es wirtschaftlich boomte keine Demokratie.

Und erst jetzt fiel mir auf, dass die – bei vielen nationalen Abstimmungen durchgefallene EU-Verfassung – sich auf die Marktwirtschaft festgelegt hat.Ich habe diese Debatte gar nicht genügend beachtet und sehe jetzt, dass diese Verfassung auch ein Einfallstor für diese Festschreibung wäre.

"Die Tätigkeit der Mitgliedstaaten und der Union im Sinne des Artikels I-3 umfasst nach Maßgabe der Verfassung die Einführung einer Wirtschaftspolitik, die auf einer engen Koordinierung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten, dem Binnenmarkt und der Festlegung gemeinsamer Ziele beruht und dem Grundsatz einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb verpflichtet ist." - lese ich in einem seriösen Beitrag.

Nachtigall, ick hör Dir trapsen......

Montag, 13. Februar 2006

Aus der Arbeitswelt

An meiner Arbeit finde ich nach wie vor die unterschiedlichen Aufgaben gut. Letzte Woche habe ich eine Lesung mit meinem eigenen Kram gemacht, die ein hübscher Erfolg war.
In der nächsten Woche halte ich einen kleinen Vortrag über Faschingsbräuche in allen Regionen. Danach gestalte ich einen Literaturnachmittag mit Büchern zum Thema „Familiengeschichten“. Zwischendurch wische ich immer mal wieder die Räume durch oder trage gemeinsam mit meinen Kolleginnen Tische und Stühle hin und her.
Im nächsten Monat stehe ich mit noch anderen für eine kleine Modenschau als Model zur Verfügung. Zwischendurch gestalte ich die Aufsteller, mit denen auf unsere soziokulturell segensreiche Tätigkeit hingewiesen wird. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich diesen Job noch eine ganze Weile machen. Wenn ich das aber täte, wäre ich in einem Jahr restlos verarmt. Schon jetzt muss ich – bei dreißig Stunden Wochenarbeit – jeden Monat aus meinem Ersparten zubuttern, damit wir über die Runden kommen.
Ich bin dazu verdammt , mit 60 Jahren in Rente zu gehen. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, eine Art von Minijob zu etablieren, dann würde ich sofort weiter arbeiten.
Ich gehe also mit enormen Abschlägen in Pansion und werde mich nebenher ehrenamtlich betätigen. Außerdem mache ich meine Redaktionsarbeit weiter.Die sind die einzigen, die ordentlich bezahlen.
Gestern war in der Sendung „Mona Lisa“ ein Beitrag über eine Frau in München, die mit ihrer Rente als arm gilt. Sie hat wohl so 1.000 Euro, will damit aber unbedingt ihre Wohnung in Schwabing halten, für die sie an die 700 Euro zahlt. Mit einer Rente in dieser Höhe leben fast alle Ossis, die ich kenne. Man kann, wenn man zu zweit ist, so mancherlei abfangen, aber allein wäre ich völlig aufgeschmissen. Und das nach einem Leben Vollbeschäftigung.

Sonntag, 22. Januar 2006

Uli Berger

Mein alter Freund ist gestorben. Ich bin in den letzten Wochen nicht mehr bei ihm gewesen, ich konnte einfach nicht. Vor zwei Tagen haben sie ihn wieder ins Krankenhaus gebracht. Dort hatte er – in der Dusche – einen Herzstillsand. Sie haben sich bemüht, ihn zurück zu holen, aber es war schon zu spät. Es sei wohl auch besser, sagte eine gemeinsame Bekannte, die mir Bescheid gesagt hat.U. als Rameaus Neffe
Eine lange Leidenszeit sei ihm erspart geblieben. Ich dachte mir seit meinem letzten Besuch in der Charité, dass das nichts mehr wird mit ihm.
Der inoperable Lungenkrebs, die Herzschwäche. Er hätte lange noch, aber mit unglaublich viel Mühe und Anstrengung leben können.
Mir tut weh, dass ich am Ende mit ihm zu keinem guten Abschluss gekommen bin. Ich war – auch nach so vielen Jahren –doch nicht so recht bereit zu einer Art von Souveränität. Ein anstrengender, verrückter und wenig angepasster Mensch, ein Egomane, wie es sie selten gibt. Aber ich habe ihn trotzdem gemocht, trotzdem. Er war ein kluger Kopf und ein schrulliger Denker. Wieder ist er mir einen Schritt voraus.

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