Freitag, 4. März 2005

Aussichten

Eine blasse Wintersonne kann ich von meinem Fenster aus beobachten. Gleichzeitig fesseln mich hochinteressante Kranarbeiten an einem mindestens zwei Kilometer entfernten Speicherturm.
Wenn draussen Schnee liegt, den heben sich die kahlen Bäume so schön schwarz von dem dahinterliegenden beschneiten Feld ab.

DeutschlandRadio Berlin meldet die Temperaturen: Von minus 14 Grad in Bayern bis zu plus vier am Niederrhein. Sehen die Deutschland noch in den Grenzen von vor 1990? Sehr seltsam.

Montag, 15. November 2004

Umgekehrter Mieterstreit

So kennt die Geschichte jeder: Ein böser, böser Vermieter kujoniert seine Mieter. Höhnisch lachend steigert er die Mieten in astronomische Höhen oder er versucht, die Mieter durch Luxussanierung zu vertreiben. Wenn es ganz schlimm kommt, lässt er sie von angeworbenen Strolchen schikanieren, bis sie das Feld räumen und das Haus endlich kostensteigernd "leer gezogen" ist.
Aber wir sind in der seltenen Lage, eine Geschichte erlebt zu haben, die genau andersrum geht:

Nicht weit von hier wohnten wirAls wir vor einem Jahr aus dem Gründerzeithaus auszogen, in dem wir über 13 Jahre gewohnt hatten, da hatten wir schon seit 10 Monaten keine Miete mehr gezahlt. Irgendwann war auf unser aller Kontoauszügen der Betrag mit dem Vermerk "Konto erloschen" wieder aufgetaucht.
Wo war er abgeblieben, der freundliche Vermieter mit dem Vollbart? Wo versteckte er sich, der sanftäugige Mensch, der uns allen, nachdem man ihm das Grundstück zurückgegeben hatte, das seine Eltern schon erworben hatten, einen lieben Brief geschrieben hatte, in dem er eine gemächliche und für die Mieter zumutbare Sanierung angekündigt hatte.

Schon der erste Sanierungsschritt scheiterte. Es sollte der Einbau einer Zentralheizung sein. Von der Ankündigung bis zu dem Moment, da die Handwerker die ersten Rohre ins Haus trugen verging ein Jahr, weil es mit der Finanzierung nicht so wie geplant klappen wollte. Das erfuhren wir, weil der Vermieter meinen PC nutzte, um einen Kostenvoranschlag abzurufen.

Von da an hörten weder die Handwerker noch wir etwas von ihm. Auch unser Nachbar, der stolz erzählt hatte, er kenne sogar noch die Eltern des Hausbesitzers aus der Kinderzeit, wußte nicht, wie man seiner habhaft werden konnte. Wir alle wussten zwar seine Adresse und auch, dass er bei einer Finanzbehörde arbeitet. Aber immer wieder kam die Post zurück.

Also trugen die Handwerker die Rohre wieder aus dem Haus und dann geschah eine ganze Weile nichts.
Und - nach wieder einer Weile - kam unsere eingezahlte Miete mit dem oben erwähnten Vermerk zurück . Die erste Mieterversammlung wurde fällig. Es gab natürlich Mieter, die sofort mit glänzenden Augen fragten, wie viele Jahre eigentlich vergehen müssen, bis so eine Forderung verjährt, aber wir Besonneneren sahen die Probleme, die auf uns zukommen würden. Und sie kamen.Die Wasserwerke drohten mit Absperrung, obwohl die Rechtsgrundlage dafür mehr als brüchig war.
Auch die Stromwerke wollten nicht länger warten, der Hauswartungsdienst zog sich zurück und wir mußten zur Selbsthilfe greifen. Wir hatten die Nase voll und zogen aus. Dem später eingesetzten Zwangsverwalter zahlten wir mit Abstrichen die aufgelaufene Miete und das war's.

In diesen Tagen rief uns ein Nachbar an. Es sei wieder soweit, sie hätten schon wieder seit Monaten keine Miete gezahlt, und wieder drohe unter anderem die Wasserabsperrung.
Der Nachbar erzählte von einer Reise, die er - ausgestattet mit dem Votum der Mietervollversammlung aber auf eigene Kosten - nach H. durchgeführt hat. Stundenlang habe er vor dem Haus des Vermieters gestanden, um zu erfahren, wie es um ihn steht und wie die Miete gezahlt werden soll. Aber er habe kein Glück gehabt. Also habe er noch einen Tag drangehängt, obwohl dadurch auch noch Hotelkosten angefallen wären und sei zu der Behörde gegangen, bei der der Vermieter arbeitet, was er von einem der Handwerker wusste. Er habe ihn auf dem Behördenflur "gestellt und überredet, ihn zu einem Cafe in der Nähe zu begleiten, um die Sache zu besprechen. Nein, er wolle sich wieder um das Haus kümmern und nicht verkaufen, habe der Vermieter beteuert. Er werde bald einen Brief an alle schreiben, es lägen schreckliche Zeiten hinter ihm - ein "burn out" Syndrom habe ihn wirklich schwer mitgenommen, aber er sei jetzt über den Berg. Nach einer Stunde seien sie auseinander gegangen, der gestresste Vermieter und der zahlungswillige Mieter.
Seitdem ist das geschehen, was zu erwarten war, nämlich gar nichts.

Ein Vermieter, der sich vor seinen Mietern versteckt, der unter der Last seines Besitzes so gebeugt ist, dass er immer mal wieder verschwinden muss. Und Mieter, die Suchaktionen nach ihm veranstalten, damit sie endlich ihr Geld loswerden. Ist das nicht eine herrliche Umkehrung?

Dienstag, 9. November 2004

9. November

Am neunten November 1989 abends sind wir ins Bett gegangen wie immer, weil wir uns – trotz der merkwürdigen Ankündigung von Schabowski – überhaupt nicht vorstellen konnten, dass das als sofortige Grenzöffnung zu verstehen ist. Wir dachten, dass man unbürokratisch einen Antrag abgeben und dann reisen kann. Deshalb sind wir zwar ziemlich aufgeregt, aber nicht völlig „außer uns“ ins Bett gegangen. Direkt am Checkpoint Charly lag mein Arbeitsplatz
Es hatte schon einige merkwürdige Entwürfe über ein neues Reisegesetz gegeben, alle viel zu restriktiv für die dramatische Entwicklung, deshalb erwarteten wir ständig Nachbesserungen. Erst am Morgen hörten wir, was in der Nacht passiert war.
Ich hatte am nächsten Tag Spätdienst und ging vor der Arbeit zur Bornholmer Brücke.
Dort war eine Riesenschlange, die Grenzer standen irgendwie ratlos rum und als ich einen ansprach, um nach der Situation zu fragen, zuckte er mit der Schulter. Halb missmutig und halb ratlos.
Dann bin ich zum Spätdienst gegangen, der – angesichts der Ereignisse - unglaublich stressig war. Gegen 23 Uhr bin ich mit dem Kraftfahrer noch zur Bernauer Strasse gefahren, wo sie schon ganze Mauersegmente rausbrachen, damit die Leute durchkommen. Und am nächsten Tage ging ich da hin, traf ein amerikanisches Fernsehteam und habe mit denen ein paar Tage ziemlich geschuftet und mein erstes Westgeld verdient. Das Brandenburger Tor ging viel später erst auf. Bis dahin und auch danach hatte ich die verrückteste und arbeitsintensivste Zeit in meinem Leben. Als am 1. Juli 1990 die Währungsunion kam, lag ich im Krankenhaus.

Donnerstag, 28. Oktober 2004

Die Mutter Sprache

Zitat

Mittwoch, 27. Oktober 2004

Eine Lesung

Ich hatte gestern eine Lesung. Glossen, Geschichten und Scherze aller Art.
Es hat den Leuten sehr gefallen, es gab richtige Lacher und auch ein bißchen Geld. Vielleicht kann ich mich als Vortragende etablieren. Würde ich gern.
Aufgefallen ist mir, dass man anders schreiben muß, wenn man Texte laut vortragen will. So mancher Parenthese-Satz, den ich sonst reinzwänge, kam mir hier wie ein Stolperstein vor. War eine interessante Erfahrung. Seit ich schreibe, habe ich es mit dem gedruckten Wort an einen fernen Leser zu tun.
Das vorgetragene Wort ist eine andere Kiste. Ein ordentlicher Text sollte in beiden Vortragsarten gleich gut ankommen.
Ich werde mir das angewöhnen, mir meine Texte selbst laut vorlesen. Es hilft beim Schreiben, es schafft ein musikalisches Gespür für Wort und Satzbau.

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Zuletzt aktualisiert: 12. Apr, 12:18

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