Sonntag, 13. August 2006

13. August

Eine Sendung bei dradio kultur über den Mauerbau.
Ein ehemaliger Kollege erzählt über den 13. August. Über die gesperrten Grenzanlagen in der Charlottenstrasse und der Zimmerstraße. Das habe ich später auch noch erlebt. Wie man in dieses Gebäude nur mit Grenzausweis reinkam. Direkt am Checkpoint Charly lag mein ArbeitsplatzWie diese Ausweise immer eingezogen und die Besitzer neu überprüft wurden. Wie immer mal wieder jemand versucht hat, abzuhauen und dann wurde wieder verstärkt überprüft.
Und wie wir in der Setzerei aus dem Fenster guckten auf das Springerhochhaus und aus der Montage direkt auf den Check Point Charly , wo ab und zu ein Häschen hoppelte und hin und manchmal auch mal ein Fußgänger rüberging oder ein Botschaftsfwagen rüberfuhr. Und wie wir zu Hause Westberliner Abendschau guckten, die über ein Riesenspektakel berichtete, das ein amerikanischer Künstler dort auf Stelzen vollführte und wie die Kamera schwenkte auf das Fenster der Setzerei im Osten direkt in das grinsende Gesicht von unserem Kraftfahrer. Das waren schon verrückte Zeiten und noch verrückter war, dass sich das alles so geändert hat.

Damals habe ich mir - wenn ich keinen Dienst in der Setzerei hatte - darüber nicht andauernd Gedanken gemacht.

Ich erinnere mich aber auch noch an eine Kabarettsendung mit Hannelore Kaub aus dem Anfang der 80er Jahre, die nach einem fiktiven Mauerfall und kurzer Euphorie die Westbürger jammern lässt, wie schön das gewesen war, als die Ostverwandten mit einem Paket zufrieden waren und sonst bei sich blieben. Genauso ist es gekommen. Herrlich aber auch traurig.

Donnerstag, 10. August 2006

Jenny Gröllmann

Jenny Gröllmann ist gestorben - das geht mir nah. Sie war eine von der wirklich guten Schauspielergarde der ehemaligen DDR.
Der Medienhype um diesen Film "Das Leben der Anderen", den ihr verflossener Ehemann Ulrich Mühe mit den Beschuldigungen gegenüber seiner ehemaligen Frau, noch verstärkt hat, hat mich so abgestoßen, dass ich mir den Film nicht angesehen habe. Mir genügt, was Anke Westphal in der „Berliner Zeitung“ dazu geschrieben hat.

Dass seine ehemalige Frau schwer krank war, wusste Mühe, und sicherlich ist er nicht schuld an ihrem Tod, aber er hat überhaupt keine Rücksicht auf sie genommen. So ist sie in die Mühlen einer PR-Maschine geraten, die am Ende genauso vernichten kann, wie der Repressionsapparat der Vergangenheit.
Immer mal wieder fragt man sich, wer in diesem Lande die großen Kessel am Kochen hält, wer die Themen setzt, wer bestimmt, was nicht verhandelt wird, wer bestimmt, was groß rauskommt. Natürlich geht es nicht so zu, wie früher bei der Abteilung Agitation und Propaganda beim ZK der SED, viel subtiler.
Aber ich merke, dass ich auch abirre, denn von Jenny Gröllmann schreibe ich auch fast nichts. So wie in allen Nachrufen natürlich diese Geschichte immer wieder aufkommt. Auch ich mache sie zum sie zum Objekt für andere Fragen. Ich bin eine treue Dienerin des Medienbetriebs.

Mittwoch, 26. Juli 2006

Wagneriade

Gestern ein Bericht über die Bayreuther Festspiele mit dem üblichen Promiauftrieb. Das ist ja nichts Neues. Sie eröffnen mit einer älteren Inszenierung vom Fliegenden Holländer.
Daraus gab es einige Szenenbilder, bei deren Anblick mich sofort Lachzwang überfiel.
Da sieht man zwei alte Knacker in einer Dekoration stehen, die aussieht wie aus dem Ohnesorg Theater, zum Beispiel für eine Klamotte wie „Tratsch im Treppenhaus“. Und die singen nun in Kapitänsuniform nebeneinander her, man sieht schon, dass die sich nicht leiden können.
Das Konzept der Inszenierung sieht die ganze Geschichte als Sentas Traum – Freudscher Firlefanz also. Der Vater und der Fliegende Holländer sind die gleiche Figur in Sentas Projektionswelt oder so ähnlich. Bitteschön, aber muss es deshalb so miefig aussehen?

Neugierig geworden suchte ich mir alte Rezensionen. Und wurde fündig.
„Verwunderlich (...), warum Sentas Begegnung mit ihrem ödipalen Geist so steif und bieder, ohne gefährlich inzestuöse Nähe abläuft, schreibt der Rezensent in der „Zeit“. Nich’ mal richtig Krawall also. Der Rezensent fühlte offensichtlich ebenfalls seinen Sinn für Humor herausgefordert: „John Tomlinson verwechselt als Holländer ein ums andere Mal Dämonie mit Kraft. Er profiliert sich als Sängerdarsteller-Haudegen, der noch den letzten verzweifelten Ringkampf mit dem Treppengeländer sucht.“ so eine Perle dieser Rezension.

Wagner ist was für den Bourgeois – ob als Großfamilie wie der ganze Wagnerclan oder für den Kleinbürger - der bestätigt kriegt, dass sich die größten Dramen in seiner Wohnstube abspielen, wenn auch nur als Kleinmädchenfantasie im Matrosenkleidchen. Eine Freudsche Fehlleistung – der ganze Wagnerscheiß. Bald wird es heißen, das „Rheingold“ ist auch nur eine Verbildlichung des allgegenwärtigen kleinbürgerlichen Neidkomplexes. Motto: „Was nützt dem Alberich das Gold, wen er sich einen runterholt.“. Na, is doch wahr.

Freitag, 21. Juli 2006

Die Kinder von Golzow

Gestern noch auf RBB bis in die Nacht einen Teil von den „Kindern aus Golzow“ gesehen. Zugegeben – er moralisiert manchmal ein bisschen der Wilfried Junge, aber es bleibt doch ein unglaublich menschenfreundliches und dokumentarisch unerreichtes Unternehmen. Diesmal war der Onkel Willy aus Golzow dran, einer der viel tut, damit man ihn bemerkt, der gern irgendwohin ausbüchsen würde, es aber nicht wirklich wagt. Stattdessen hält er es mit den Frauen, betrügt seine eigene mit einer, die – abgesehen davon, dass sie weniger Gewicht hat – so ähnlich ist, wie die erste. Alle immer lebenspraktisch und patent, die ihm die Entscheidungen abnehmen. Er sieht aus wie ein italienischer Zigeuner und die Frauen wie seine Mutti. War oft so im Osten. Die Frauen trafen die Entscheidung, die Männer folgten gern und klagten in der Kneipe.

http://www.johannisthalsynchron.de/golzow.htm

Montag, 10. Juli 2006

Schlossallee



Nur fünf Minuten Fussweg und ich bin hier in dieser tröstlichen Allee, im Pankower Schlosspark.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 7943 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Apr, 12:18

Suche

 

Aktuelle Beiträge

Die Strafe folgt spät
Gestern am 01.04. 10 (indes kein Aprilscherz!)musste...
malef - 2. Apr, 19:03
Das...
...kenn ich. Ganz genau so. Nur: "Wenn es ein Urteil...
rivka - 14. Mär, 16:59
Immer wieder ein Sonnenuntergan
Heute mal wieder ein schönes Bild von den Tatsachen...
Magda - 3. Feb, 19:44
Nächtliches Kunsterlebnis
Letzte Nacht konnte ich lange nicht einschlafen - weiß...
Magda - 3. Feb, 09:14
Jerome D. Salinger
Wenn ich mich recht erinnere, erschien Salingers „Fänger...
Magda - 28. Jan, 21:27